Auf meinem kleinen Bauernhof im Dunkelsteinerwald lebt eines der zähesten Lebwesen des Universums. Dieses Lieblingsbakterium von mir heißt Deinococcus Radiodurans. In den Bemmerln (Hochdeutsch: Kot) meiner Alpakas existieren diese Bakterien. Sie kommen aber auch in anderen Tieren wie atlantischen Schellfisch oder auch an unwirtlichen Orten wie antarktischen Gestein vor. Dieses Bakterium übersteht extrem lebensfeindlichen Bedingungen, wie höchste radioaktive Strahlung, Säurebäder, Austrocknung und Hitze. Es verträgt mehr als das Tausendfache der radioaktiven Strahlung, die für die meisten anderen Lebewesen bereits tödlich wäre.
Unsere Herde
Unser jüngstes Alpaka
Den Spitznamen „Conan, the bacterium“ hat Deinococcus radiodurans nach dem Film „Conan, the babarian“ mit dem Auslandsösterreicher Arnold Schwarzenegger erhalten. Der Grund für die Resistenz gegenüber Radioaktivität ist die einzigartige Reparaturfähigkeit der Erbsubstanz des Bakteriums. Dabei können 500 Doppelstrangbrüche der DNA gleichzeitig repariert werden.
Die Erbsubstanz des Deinococcus radiodurans kann auch als biologischer Datenspeicher dienen. Der in ein Molekül verwandelte Liedtext von dem englischen Kinderlied „It’s a Small World“ wurde von den Forschern in das Erbgut dieses Bakteriums eingebaut. Diese Information kann über hunderte Generationen und Millionen von Jahren überdauern. Dieser biologische Datenspeicher kann zum Unterschied von Computern wegen der Strahlenresistenz von Deinococcus radiodurans sogar Atomkriege überstehen, während die Informationen auf jeder Festplatte durch den elektromagnetischen Puls von Atombomben gelöscht würden.
Im Laufe der Evolution hätte eine solche Resistenz keinen Sinn, weil niemals auf der Erde eine so hohe Radioaktivität vorhanden war. Durch das Magnetfeld und die Lufthülle der Erde wird nämlich die radioaktive Strahlung aus dem Weltraum abgeschirmt. Das wäre nur sinnvoll, wenn diese Bakterien lange Zeiträume in Meteoritengestein durch das Weltall geflogen sind und dabei überleben müssten. Dies würde die Hypothese der Panspermie stärken, die besagt, dass einfache Lebensformen in der Lage sind, Leben über große Distanzen im Weltall von einer Welt zur nächsten zu verbreiten.