ScienceBusters
Heinz_oberhummer

Flugzeugabsturz durch Blitzschlag?

  • Prof. Heinz Oberhummer
  • 03.06.09, 00:00 Uhr

Ein Airbus der Air France ist am 1.6.2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik mit 228 Menschen an Bord abgestürzt. Die Unglücksursache könnte Blitzschlag gewesen sein. Ist das möglich?

Sind Blitze für Flugzeuge gefährlich?

Viele Experten halten die Hypothese eines Blitzschlags als Grund für den Absturz der Air-France Maschine für ziemlich unwahrscheinlich. Flugzeuge sind nämlich Faradaysche Käfige, also elektrisch leitende Boxen, in die Blitze gar nicht eindringen können. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass ein Blitz seinen Weg in die elektrischen Leitungen eines Jets findet und die empfindliche Elektronik stört oder gar zerstört.

Blitze gibt es tatsächlich auch noch in einer Höhe von über 10 Kilometern, wo der Jet zur Zeit des Unglücks flog. Die meisten Blitze zucken dabei übrigens von einer Wolke zur nächsten, nur die wenigsten schlagen auf dem Erdboden ein. Im Inneren einer Gewitterzelle können aber sehr starke Fallwinde und Turbulenzen auftreten, vor denen sich die Piloten noch mehr fürchten, als vor den Blitzen. Deshalb gilt im Luftverkehr die feste Regel, dass man Gewitterregionen möglichst umfliegt. Auf dem Weg von Südamerika nach Europa queren Flugzeuge die so genannte innertropische Konvergenzzone, ein Tiefdruckgebiet in Äquatornähe, in dem oft schwere Gewitter auftreten und starke Turbulenzen entstehen. In der Unglücksnacht, in der der Air-France-Flug verschwand, türmten sich die Wolken bis zu 16 Kilometer hoch. Diese zu umfliegen ist eine anspruchsvolle Aufgabe für Piloten.

Ein Quantas Flug wird vor der Landung in Sydney am 5.9.2004 von einem Blitz getroffen.

Tatsache ist, dass weltweit jedes Flugzeug durchschnittlich sogar alle ein bis drei Jahre von einem Blitz getroffen wird. Bis auf kleinere Beschädigungen an der Einschlagstelle hat dies keine gravierenden Folgen. Deshalb gehen Luftfahrtexperten davon aus, dass ein Blitzeinschlag als alleinige Ursache für das Unglück der Air-France Maschine extrem unwahrscheinlich ist. Wenn alle Flugzeuge so oft vom Blitz getroffen werden und trotzdem kaum Flugzeugabstürze ausgelöst durch Blitzeinschlag bekannt sind, was könnte dann die Absturzursache gewesen sein?

Die Blackbox könnte Auskunft geben

Wie alle größeren Flugzeuge hatte auch der französische Airbus A330-200 zwei Black Boxes an Bord. Der so genannte Voice Recorder nimmt die Cockpitgespräche auf, die andere Black Box speichert die Flugdaten des Jets. Dies sind Hunderte von verschiedenen Einzelwerten, wie die Flughöhe, Kurs, Geschwindigkeit, Anstellwinkel der Tragflächen und Stellung der Ruder. Der Voice Recorder erfasst jeweils die letzten Minuten, der Flugdatenschreiber sogar mehrere Stunden.

Wenn ein Flugzeug über Land abstürzt, ist die Suche nach den orange lackierten Boxen nicht zu schwierig. Sie sind in der Regel im Heck der Maschine untergebracht und sind so konstruiert, dass sie selbst harte Aufschläge mit 500 km/h und Temperaturen über 1000 Grad Celsius überstehen.

Fällt eine Maschine ins Meer, dann ist es schwieriger die Blackboxen zu finden. In diesem Fall helfen in den Boxen eingebaute Sonarsender, die Flugschreiber zu finden. Diese Schallquellen werden aktiviert, sobald die Black Box in Kontakt mit Wasser gerät und senden etwa 30 Tage lang. Ob der Flugschreiber überhaupt gefunden werden kann, hängt von verschiedenen Umständen ab. Das Schallsignal muss bis zur Wasseroberfläche gelangen, wo Suchschiffe danach fahnden. Die Reichweite des Signals kann aber nur wenige Zentimeter groß sein, wenn die Black Box im Schlamm liegt. Generell muss man sehr nah an den Flugschreiber herankommen, um ihn zu orten. Schon wegen der gigantischen Ozeanfläche, in der die Unglücksstelle liegen kann, ist die Suche schwierig. Hinzu kommt die große Wassertiefe im Atlantik in der besagten Region. Das Wasser ist dort 3000 bis 4000 Meter tief und mit zunehmender Entfernung wird das Schallsignal immer schwächer.

Dass aber ein auf dem Meeresboden liegender Flugschreiber mysteriöse Abstürze aufklären kann, zeigt ein Flug der Egypt Air. Die Boeing 767 mit 271 Menschen an Bord befand sich am 31. Oktober 1999 auf dem Flug von New York nach Kairo und verschwand eine halbe Stunde nach dem Start plötzlich von den Radarschirmen.

Erst die Cockpitaufzeichnungen der Black Box in Kombination mit dem Flugschreiber lieferten eine Erklärung für den Absturz: Der Copilot hatte das Flugzeug in einen Sturzflug gebracht, als sein Kapitän gerade das Cockpit verlassen hatte, um zur Toilette zu gehen. Möglicherweise sollte der Absturz ein Terroranschlag sein oder aber ein Selbstmord. Mehrmals war der Copilot auf dem Voice Recorder mit den Worten "Ich vertraue auf Gott" zu hören.

Resümee

Im Fall der Air France Maschine wird sich nach Lage der Dinge der Ablauf des Unglücks wahrscheinlich nie mehr rekonstruieren lassen. Daher ist natürlich die Bühne frei für jegliche Spekulationen. Der Absturz durch einen Blitzschlag ist dennoch extrem unwahrscheinlich.