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Unsere Sonne wacht nicht mehr auf

  • Prof. Heinz Oberhummer
  • 15.11.10, 00:00 Uhr

Was vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war, passiert derzeit mit unserer Sonne. Sie wacht nicht mehr auf. Vielmehr verfällt sie sogar immer mehr in in einen Tiefschlaf. Während die Sonne im Jahre 2008 73% der Zeit ohne Sonnenflecken war, war diese Zahl im Jahre 2009 wiederum nur 71%. Wochen und manchmal ganze Monate vergehen, ohne dass ein einziger Sonnenfleck sichtbar ist. Auch im Jahre 2010 waren wiederum an etwa 50 Tagen kein einziger Sonnenfleck vorhanden, obwohl wir normalerweise schon 2011 das Sonnenfleckenmaximum mit zwischen 100-200 Sonnenflecken erreichen sollten. Sind die Sonnenflecken nun für längere Zeit endgültig verschwunden und gehen wir nun einer globalen Abkühlung entgegen? Einiges spricht dafür, obwohl der Einfluss der Stärke der Aktivität der Sonne in der wissenschaftlichen Literatur ziemlich kontrovers diskutiert wird.

Was ist los mit unserer Sonne?

Gehen wir einer Kleinen Eiszeit entgegen, weil die Sonne schläft? Die Sonne leuchtet nicht gleichmäßig. Etwa alle 11 Jahre gibt es ein Maximum bzw. ein Minimum an solarer Aktivität. Im Minimum der Sonnenflecken ist auch die Sonnenaktivität am geringsten.

Der Sonnenfleckenaktivität ist aber derzeit in einem Minimum wie schon seit etwa hundert Jahren nicht mehr. Im derzeitigen Aktivitätsminimum ist die Sonne bereits 819 Tage ohne einen einzigen Sonnenfleck verglichen mit den sonst typischen 486 Tagen. Im Jahre 2009 waren wochen- und sogar monatelang überhaupt keine Sonnenflecken mehr zu sehen, während normalerweise schon über 50 Sonnenflecken vorhanden sein müssten. Im Jahre 2010 stieg die Anzahl der Sonnenflecken zwar, ist aber noch immer viel zu niedrig verglichen mit vorigen Zyklen. Auch die starke Abnahme der Stärke der Magnetfelder der Sonne spricht für eine nachhaltige Abnahme der Sonnenaktivität.

Sonnenzyklus

Derzeit gibt es auf der Sonne keinen einzigen Sonnenfleck (24.12.2010) [Quelle: SOHO/MDI]

Was war das Maunderminimum?

Als Maunderminimum wird eine Periode extrem verringerter Sonnenfleckenaktivität in den Jahren zwischen 1645 und 1715 bezeichnet. Während einer 30-Jahr-Periode im Maunderminimum haben Astronomen nur 50 Sonnenflecken beobachtet verglichen mit den sonst typischen 40.000–50.000 Sonnenflecken. Das Maunderminimum mit seinen wenigen Sonnenflecken ist auch der Höhepunkt der so genannten Kleinen Eiszeit mit vielen sehr kalten, lang andauernde Wintern und niederschlagsreichen, kühlen Sommern. Das Gletscherwachstum war während dieser so genannten „Kleinen Eiszeit“ das stärkste seit der letzten richtigen Eiszeit. Die Kanäle in den Niederlanden waren jeden Winter lange überfroren. Sogar Schlittschuhlaufen auf der Lagune von Venedig war zeitweilig möglich. Neuere Studien aus verschiedenen Klimaarchiven belegen die Kleine Eiszeit auf allen Kontinenten bis hin zu den beiden Polkappen.

Eine im Jahre 2009 veröffentlichte Arbeit in der renommierten Zeitschrift „Science“ zeigt, dass der Sonnenfleckenrhythmus tatsächlich einen unvermutet starken Einfluss für die Wolkenbildung und Niederschlag auf der Erde hat. Man kann noch nicht sagen wie lange das derzeitige Sonnenfleckenminimum noch andauert und ob wir dadurch tatsächlich einer neuerlichen Kleinen Eiszeit wie während des Maunderminimums entgegen gehen. Es spricht aber Einiges dafür, wie die gleichzeitige Abnahme der Stärke des Magnetfelds auf der Sonne. Auf jedem Fall sollten länger andauernde Sonnenfleckenminima der derzeitigen globalen Erwärmung eher entgegen wirken, wenn diese nicht sogar in eine globale Abkühlung umschlägt.

Die Rückkehr des Eises

Nach dem Rekordtief der Ausdehnung der arktischen Eisfläche im Jahre 2007 wächst die Eisfläche um den Nordpol nun wieder rasant. Bis 2010 ist insgesamt ein Zuwachs von über einer halben Million Quadratkilometer, das ist etwa 14 Prozent, zu verzeichnen:

Eisfläche im September 2007: 4,30 Millionen Quadratkilometer
Eisfläche im September 2008: 4,67 Millionen Quadratkilometer
Eisfläche im September 2009: 5,36 Millionen Quadratkilometer
Eisfläche im September 2010: 4,90 Millionen Quadratkilometer

Literatur:

Anzahl der aktuellen Sonnenflecken:
Spaceweather

Schluss mit den Panik-Parolen vom Klimachaos!:
Welt_Online

Auswirkungen der Sonnenaktivität auf Erdklima:
Sciencedaily
Deutsches GeoForschungsZentrum

Ausdehnung der arktischen Eisfläche:
National Snow and Ice Data Center

Abnahme der Stärke der Magnetfelder auf der Sonne:
Science@NASA