ScienceBusters
Heinz_oberhummer

Saufen für den Regenwald

  • Prof. Heinz Oberhummer
  • 24.10.09, 00:00 Uhr

Lohas ist das Akronym für „Lifestyle of Health and Sustainability“ und beschreibt eine neue Generation mit einem Lebensstil, der angeblich Gesundheit und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt. Lohas und Lifestyle-Ökos interessieren sich für Gesundheit, Spiritualität, Nachhaltigkeit und Ökologie. Sie wohnen in eleganten Wohnungen oder Häusern, fahren mit dem Auto zum Yogakurs, parken vor dem Biosupermarkt, verwenden homöopathische Mittelchen, trinken Öko-Sprudel und belebtes Wasser, und richten ihre Wohnungen mit Sheng Fui ein. Sie sind natürlich auch für jedes irgendwie grüne Projekt zu haben. Diese neue kaufkräftige und unkritische Gruppe wird in einem neuen Buch aufs Korn genommen:
Kathrin Hartmann: Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt, Blessing, München, 2009
Kathrin Hartmann: Ende der Märchenstunde

Die Science Busters haben einen Fall aus dem Buch beispielhaft analysiert.

Ein Quadratmeter Regenwald vs. eine Kiste Bier

Im Jahre 2002 wurde der beliebteste Moderator Deutschlands Günther Jauch für einen Webespot engagiert. Aus dem Fernseher versicherte er treuherzig, wer eine Kiste Krombacher-Bier kaufe, der rette einen Quadratmeter Regenwald vor der Abholzung. Krombacher wiederholte die Regenwaldaktion viermal: 2003, 2004, 2006 und 2008.
Nun halten sich im Regenwald die Aufnahme und Abgabe von Kohledioxid auf längere Sicht in etwa die Waage. Wenn er wächst, wird mehr Kohlendioxid gespeichert. Wenn er abstirbt oder gerodet wird, wird das Kohlendioxid wieder frei gesetzt. Wenn man also einen Quadratmeter Regenwald vor dem Roden bewahrt, kann auch das darin gespeicherte Kohlendioxid nicht frei gesetzt werden.


Die Berechnungen ergeben nun folgendes:
1) Bei Brandrodung von einem Quadratmeter Regenwald würde maximal 7,6 kg Kohlendioxid freigesetzt.
2) Die Erzeugung einer Kiste mit 10 Litern Bier setzt etwa 8,2 kg Kohlendioxid frei.

Fazit

Durch die Erzeugung einer Kiste Bier wird mehr Kohlendioxid erzeugt als durch die Regenwald-Aktion jemals eingespart werden kann. Das Klima profitiert davon wohl nicht, wohl aber die Brauerei, deren Umsätze im Jahre 2002 um 8,1% und im Jahre 2008 sogar bei einem rückläufigen Markt noch einmal um 5,6% gestiegen sind.

Literatur und Berechnungen

Literatur:
Univ. Washington: Tropical Forests are not carbon sponges

Berechnungen:
Zu 1): Freisetzung von Kohlenstoff bei Verbrennungsrodung von Regenwald:
25,5 t Kohlenstoff/ha = 2,55 kg Kolhlenstoff pro m2 ~ 7,6 Kohlendioxid pro m2
Verwendete Daten aus:
T. Haugaasen, J. Barlow, C.A. Peres, Surface wildfires in central Amazonia: short-term impact on forest structure, Forest Ecology and Management 179: 321-331, 2003; in Univ. Michigan: Deforestation and Deforestation of the Amazon Rainforests and CO2, 2009:
University of Michigan
Zu 2) Die Herstellung von einer Kiste mit 10 Liter Bier erzeugt 8,6 kg Kohlendioxid
Verwendete Daten aus:
G. Reinhardt, S. Gärtner, J. Münch, S. Häfele, Öklogische Optimierung regional erzeugter Lebensmittel: Energie und Klimabilanzen, IFEU – Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg, 2009, Tabelle 3-8: IFEU - Institut für Energie- und Umweltforschung