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Wir durchqueren die Lokale Flocke

  • Prof. Heinz Oberhummer
  • 26.12.09, 00:00 Uhr

Am 24. Dezember 2009 wurde eine interessante Entdeckung von Forschern in der renommierten Zeitschrift Nature publiziert. Das Sonnensystem läuft derzeit durch eine 30 Lichtjahre ausgedehnte Gaswolke, die Lokale Flocke oder auch Lokaler Flaum genannt wird. Wenn sich die Erde durch diese Lokale Flocke oder ähnliche Gaswolken bewegt nimmt auch die so genannte galaktische Strahlung bestehend aus hoch-energetischen Teilchen zu, die von außerhalb des Sonnensystems stammt und auf unsere Erde trifft. Solche Gaswolken, wie die Lokale Flocke könnten auch Auswirkungen auf unser Erdklima auf Zeitskalen im Bereich von 10.000 bis 100.000 Jahren haben.

Was ist die Lokale Flocke?

Die Lokale Flocke oder Lokaler Flaum ist eine etwa 30 Lichtjahre ausgedehnte und 6000 Grad heiße Gaswolke in der Umgebung des Sonnensystems. Obwohl die Lokale Flocke etwa so heiß ist wie die Oberfläche der Sonne, wird man dort trotzdem nicht gebraten, weil die Temperatur zwar sehr hoch ist, die Wärmemenge aber wegen der geringen Dichte der Gaswolken äußerst gering.

Was ist die Heliosphäre?

Die Heliosphäre ist eine Blase rund um die Sonne, der wie ein Schirm das Sonnensystem einschließt. Darin verdrängen die Teilchen des von der Sonne ausgehenden Sonnenwinds die hoch-energetischen Teilchen der von außen kommenden galaktischen Strahlung und hindern sie am Eindringen in das Innere des Sonnensystems. Nur eine geringe Menge der galaktischen Strahlung kann dadurch normalerweise bis ins Innere des Sonnensystems zur Erde vorstoßen.

Was hat man entdeckt?

Die entscheidende neue Entdeckung ist, dass die Lokale Flocke von einem bisher unvermutet starken Magnetfeld begleitet wird. Dazu hat man Daten der beiden Voyager-Sonden ausgewertet, welche in den letzten 30 Jahren immer weiter bis zur Grenze unseres Sonnensystems vorgestoßen sind. Das entdeckte Magnetfeld ist auch der Grund dafür, dass es die Lokale Flocke überhaupt gibt, weil es diese Gaswolke zusammen hält.

Konsequenzen für die Erde

Es gibt Theorien, welche Klimaschwankungen auf der Erde mit dem Durchqueren der Erde durch Gaswolken wie der Lokalen Flocke in Zusammenhang bringen. Der Grund ist, dass beim Durchqueren des Sonnensystems durch solche Gaswolken die hoch-energetischen Teilchen der galaktischen Strahlung häufiger die Erde erreichen. Dieses Verhalten wird durch die unvermutet starken Magnetfelder, wie jetzt in der Lokalen Flocke entdeckt, noch verstärkt. Auf der Erde können dann diese hoch-energetische Teilchen beim Auftreffen auf die Lufthülle zu zusätzlicher Wolkenbildung beitragen und dadurch eine globale Abkühlung bewirken. Beim Durchgang des Sonnensystems durch solche Gaswolken könnten daher Klimaschwankungen auf der Erde in Zeitperioden in der Größenordnung von 10.000 bis 100.000 Jahren entstehen.

Links

Voyager Makes an Interstellar Discovery, SCIENCE@NASA, 2009
Originalarbeit in Nature 462, 1036, 2009