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Eine rekordverdächtige Sonnenfinsternis

  • Prof. Heinz Oberhummer
  • 09.01.10, 00:00 Uhr

Mit einer maximalen Dauer von elf Minuten und elf Sekunden ist die ringförmige Sonnenfinsternis vom 15. Jänner 2010 die längste in mehr als 1000 Jahren. Sie verläuft vom östlichen Afrika über den Indischen Ozean, die Südspitze Indiens, das nördliche Sri Lanka, nach Burma und endet im Nordosten Chinas.

Was ist eine Sonnenfinsterns?

Jemand erlebt eine Sonnenfinsternis, wenn für ihn die Sonne teilweise oder ganz vom Mond verdeckt wird. Erst wenn der Mond mehr als die Hälfte der Sonne verdeckt, bemerkt man dann auch eine deutliche Lichtabnahme.

Es gibt drei Arten der Sonnenfinsternis, die partielle, totale oder ringförmige Sonnenfinsternis:

  • Partielle Sonnenfinsternis: Es wird nur ein Teil der Sonne vom Mond verdeckt. Dies ist bei weitem der häufigste Typ der Sonnenfinsternis. Bis zum Jahr 2081 sind im deutschen Sprachraum nur partielle Sonnenfinsternisse beobachtbar.
  • Totale Sonnenfinsternis: Der Mond verdeckt die Sonne vollständig. Es wird so dunkel, dass die hellsten Sterne erscheinen. Für einen bestimmten Ort auf der Erde tritt eine totale Sonnenfinsternis durchschnittlich nur alle paar hundert Jahre einmal auf. Eine totale Sonnenfinsternis dauert von wenigen Sekunden bis maximal siebeneinhalb Minuten.
  • Ringförmige Sonnenfinsternis: Der Mond verdeckt die Sonne bis auf einen äußeren Ring der Sonne. Die Sterne bleiben unsichtbar, der Himmel bleibt zu hell. Die ringförmige Sonnenfinsternis dauert von nur wenigen Sekunden bis etwa 12 Minuten.

Wodurch entsteht eine ringförmige Sonnenfinsternis?

Der Mond beschreibt in seiner Bahn um die Erde nicht einen Kreis, sondern eine Ellipse. Das heißt der Mond ist von der Erde verschieden weit entfernt. Den Punkt mit der geringsten Entfernung des Monds von der Erde nennt man Perigäum, den Punkt der größten Erdentfernung Apogäum. Bei der Sonnenfinsternis am 15. Jänner 2010 befindet der Mond praktisch im Apogäum, ist also am weitesten von der Erde entfernt. Dadurch erscheint er etwas kleiner und kann die Sonne nicht mehr ganz bedecken. Daher gibt es nur eine ringförmige Sonnenfinsternis.

Der Mond ist im Apogäum auch gut 400 km/h weniger schnell unterwegs als im Perigäum. Daher braucht er auch länger um vor der Sonne vorbei zu ziehen. Das erklärt auch warum die Sonnenfinsternis am 15. Jänner 2010 so lange dauert.

In ferner Zukunft gibt es keine totalen Sonnenfinsternisse mehr

Die Sonne ist zwar etwa 200 Mal größer als der Mond, dafür ist sie auch ungefähr 200 Mal weiter entfernt. Dadurch erscheinen die Sonne und der Mond derzeit zufällig ungefähr am Himmel gleich groß. Daher verdeckt der Mond die Sonne jetzt bei einer totalen Sonnenfinsternis ziemlich genau. Der Mond entfernt sich jedoch etwa 3,8 cm pro Jahr von der Erde. Dadurch erscheint der Mond in Zukunft immer kleiner. In etwa 380 Millionen Jahren wird es schließlich so weit sein, dass es ab dann keine totale Sonnenfinsternisse, sondern nur mehr partielle und ringförmige Sonnenfinsternisse geben wird. Das werden wir nicht mehr erleben!

Geht die Welt am 15. Jänner 2010 unter?

Wie immer bei außergewöhnlichen Ereignissen, wie der rekordverdächtigen Sonnenfinsternis am 15. Jänner 2010 kommen auch die Katastrophen-Propheten auf den Plan um Angst zu verbreiten. Der Grund ist, dass der Mond und die Sonne bei einer Sonnenfinsternis logischerweise von der Erde in der gleichen Richtung stehen. Dadurch werden die Platten der Erdkruste ebenso wie die Wassermassen der Ozeane bei einer Springflut durch die Schwerkraft des Monds und der Sonne angezogen. Immerhin werden als Folge davon die Platten durch den Mond um 25 cm und durch die Sonne um weitere 11 cm angehoben. Als Folge davon sollten schwere Erdbeben und Tsunamis entstehen, insbesondere weil die Sonnenfinsternis am 15. Jänner 2010 auch durch ihre lange Dauer rekordverdächtig ist.

Das ist natürlich Blödsinn. Es stimmt zwar, dass die Kraft, die von Sonne und Mond auf die Erde ausgeübt wird, größer ist, wenn beide in einer Richtung stehen. Man merkt das auch daran, dass es eine höhere Flut als normal gibt (Springflut). Aber das hat nichts mit den Platten der Erdkruste zu tun. Um die soweit anzuheben, dass es zu großen Erdbeben kommt, braucht man schon wesentlich größere Kräfte. Vergangene Sonnenfinsternisse zeigen auch, wie unsinnig diese Behauptung ist. Denn wenn die Stellung von Sonne, Mond und Erde tatsächlich zu einer so starken Wirkung führen würde, dass es dann große Erdbeben gibt, dann müsste das ja nicht nur bei der Sonnenfinsterns am 10. Jänner 2010, sondern auch schon bei früheren Sonnenfinsternissen geschehen sein. Ist aber nicht der Fall.

Rechnungen

Damit der Mond die Sonne vollständig bedecken kann, muss Verhältnis der Radien von Sonne und Mond gleich dem Verhältnis des Abstandes von Sonne und dem Mond im Perigäum von der Erde sein. Wenn die Umlaufbahn des Mondes aber größer ist, kann es keine totale Sonnenfinsternis mehr geben.

Die Bedingung ist dann erfüllt, wenn das Periphel des Mondes etwa 378.080 km misst. Im Moment ist es bei 363.300 km, was also eine Erweiterung der Umlaufbahn des Mondes um zirka 4% bedeutet. Entfernt sich der Mond also noch 4% von der Erde, dann kann es nie wieder eine totale Sonnenfinsternis geben. Oder wenn man in km rechnet, um 14780 km. Das sind, bei einer Vergrößerung der Umlaufbahn um jährliche 3,8 cm also noch ungefähr 380 Millionen Jahre.

Links

Sonnen- und Mondfinsternisse
Sonnenfinsternis am 15. Jänner 2010