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Uran im Iran

  • Prof. Heinz Oberhummer
  • 09.02.10, 00:00 Uhr

Der Iran versucht – manchmal leugnet er es, manchmal betont er es – angereichertes Uran herzustellen. Die meisten Medien berichten in dieser Causa hauptsächlich nur über das diplomatischere Geschwafel. Aber was steckt wirklich dahinter und wie gefährlich ist das?

Vom Uranerz zum Kernreaktor oder Atombombe

Man braucht vier Schritte, um das in der Natur vorkommende Uranerz so umzuwandeln, dass es für Kenreaktoren oder aber für Atombomben verwendbar ist:

  1. Das in der Natur häufig vorkommende Uranerz wird meist im Tagebau gewonnen. Es enthält nur zu 0,7 Prozent das im weiteren Prozess wichtige, weil spaltbare Isotop Uran-235. Die restlichen 99,3 Prozent sind Uran-238.
  2. In der Uranmühle wird das Rohuran zermahlen und zu pulverförmigen Yellowcake konzentriert.
  3. Anschließend wird es in einem Ofen erhitzt und durch Beigabe von giftigem Fluor zu Uranhexafluorid umgewandelt. Dies sind alles Schritte vor der eigentlichen Anreicherung.
  4. Für die Anreicherung wird das Gas in eine Zentrifuge geleitet und das leichtere Uran-235 durch Rotation des Zylinderbehälters vom Isotop Uran-238 allmählich getrennt und so immer mehr angereichert. Für immer höhere Konzentrationen werden dann viele Zentrifugen hintereinander geschaltet.

Eine 3- bis 5-prozentige Anreicherung von Uran-235 ist notwendig für den Einsatz als Brennstoff in einem Kernreaktor. Für den Bau von Nuklearwaffen - im Volksmund Atombomben - muss man waffenfähiges Uran haben, d.h. das Uran-235 muss auf etwa 90% angereichert werden.

Der Iran hat nun angekündigt, dass er ab sofort beginnt, sein Uran mit 3,5-prozentiger Anreicherung auf 19,75% anzureichern, um angeblich genügend Brennstoff für seinen medizinischen Forschungsreaktor In Teheran zu haben. Aber das ist natürlich auch ein weiterer wesentlicher Schritt zur Herstellung von Atombomben.

Kann der Iran Atombomben herstellen?

Es wird angenommen, dass der Iran derzeit etwa schon 2000 kg auf 3,5 Prozent angereichertes Uran besitzt. Damit könnte er etwa 48 kg waffenfähiges Uran herstellen. Das würde fast schon der Menge der Atombombe „Little Boy“ entsprechen, die 1945 über Hiroshima abgeworfen und bis zu 200.000 Menschen sofort das Leben gekostet hat. Diese Menge waffenfähigen Urans könnte der Iran durch eine geheime Anreicherungsanlage mit 500-1000 Zentrifugen heute schon in nur etwa 6 Monaten erzeugen. Mit der Anreicherung von 3,5% auf 19,75% hat der Iran nämlich schon etwa 3/4 seines Wegs in seinem Bestreben waffenfähiges Uran herzustellen zurück gelegt.

Was ist die militärische Option?

Israel oder die U.SA. könnte solche Anreicherungsanlagen Iran in unterirdischen Kavernen oder Höhlen mit bunkerbrechenden Waffen („Bunker Buster“) zerstören. Das Problem liegt nur darin, dass der Iran ein System von hunderten bis tausenden von Bunkern und Tunneln für seine nuklearen Anlagen angelegt hat, welche über das ganze Land verstreut sind. Darunter sind auch viele Scheintunnel und falsche Eingänge. Das hat einen doppelten Vorteil. Erstens um seinen Fortschritt zur Herstellung von Kernwaffen zu verschleiern und zweitens die nuklearen Anlagen gegenüber einen militärischen Angriff von außen zu verstecken. Ein solcher Angriff könnte das militärische Nuklearprogramm des Iran höchstens zurück werfen, aber nicht wirklich stoppen.

Fazit

Der Iran setzt seine Bestrebungen in Richtung der Entwicklung von Kernwaffen offensichtlich fort. Die militärische Option mit bunkerbrechenden Waffen zur Zerstörung von nuklearen Anlagen ist nicht besonders erfolgversprechend. Auf der anderen Seite wird die nukleare Schlagkraft des Irans mit Hilfe seiner derzeitigen Hinhaltetaktik mit der Zeit immer größer.

Links

Institute for Science and National Security
Uranium Enrichment Calculator