Einen fast 20 Jahre alten Mythos auf diesem Gebiet wurde nun durch ein Team der Fakultät für Psychologie der Universität Wien nun endgültig der Garaus gemacht. Ein Team von Psychologen von der Universität Wisconsin hatte vorher im Jahre 1993 über verbesserte räumliche Vorstellungen nach dem Hören von Mozarts Musik berichtet. Dies wurde als Mozart-Effekt bekannt, weil in dieser Arbeit die Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (KV 448) von W.A. Mozart verwendet wurde.
Jubiläumsaudio: Der Mozart-Effekt in der 150. FM4 Ausgabe der Science Busters

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Richtig populär wurde das Ganze aber erst im Jahre 1997 durch den Bestseller des Amerikaners Don Campbell "The Mozart Effect". Das Hören von Musik insbesondere von Mozart könnte die Gehirnleistung stärken, Kreativität fördern und sogar den Körper und Geist heilen. Eine riesige Geschäftemacherei setzte darauf hin ein. Nicht nur Erwachsene sondern auch werdende Mütter, unzählige Babys und Kinder werden bis heute mit der Musik von Mozart und anderen klassischen Komponisten berieselt. Zum Beispiel verschenkte der Gouverneur von Colorado, USA, verschenkt an jede werdende Mutter eine entsprechende Mozart-Effekt CD. Aber auch andere Töne und Rhythmen wie Gregorianische Gesänge, Jazz, New Age Musik, Latin, Pop Musik und Rock & Roll wurden dafür eingesetzt.
Eine österreichische Firma hat den Vogel abgeschossen, indem es Stereo-Anlagen anbietet, mit denen mit Mozart-Musik Kläranlagen beschallt werden. Tatsächlich wird diese Methode schon in Klärwerken schon verwendet. Kostenpunkt für die Miete: 5000 Euro pro Jahr. Angeblich sollen die Mikroben dadurch munterer werden und den Klärschlamm schneller reinigen. Hätte sich der arme Wolfgang Amadeus auch nicht träumen lassen, dass seine Musik einmal Sch… vorgespielt wird
Der Mozart-Effekt ist ein exemplarisches Lehrbeispiel dafür wie Wissenschaft funktioniert. Wissenschaft ist das was "Wissen schafft", also die Methode mit der man Wissen gewinnt. Die wichtigste Tugend der Wissenschaft ist Kritik. Was mit wissenschaftlicher Methodik, d.h. durch Überprüfung und Kritik von anderen Wissenschaftlern erarbeitet wurde, kann auch den Anspruch erheben Wissenschaft zu sein. Diese Methode ist zwar wie die Demokratie nicht perfekt, aber es gibt nichts Besseres um schlechte Forschung oder manchma sogar auch wissenschaftlichen Betrug auszumerzen. In der Wissenschaft werden alle Entdeckungen und Erkenntnisse ununterbrochen von allen beteiligten Wissenschaftlern fortlaufend überprüft, gecheckt, kritisiert, modifiziert und verbessert. Daher können alle Ergebnisse und Erkenntnisse in der Wissenschaft auch nur vorläufig sein.
Dass ein Forschungsergebnis revidiert werden muss ist Teil der wissenschaftlichen Vorgangsweise. Die Wissenschaften unterziehen sich freiwillig und bewusst stets einen Selbstreinigungsprozess um schlechte Wissenschaft auszumerzen. Das unterscheidet sich vom Glauben der Pseudowissenschaft und Religionen, der fast immer unveränderlich, fundamentalistisch, dogmatisch, starr, ja tot, ist. Aber Glauben ist kein Konzept der Naturwissenschaften.
Manchmal können wie beim Mozart-Effekt die ursprünglichen Forschungsergebnisse von anderen Forschern nicht redupliziert werden. In diesem Fall kann man eine Metastudie zu verwenden. Das ist eine Studie von Studien, d.h. eine Zusammenfassung von vielen Untersuchungen zu einer bestimmten Frage. Solche Metastudien sind die modernste Art der Forschung, weil sie etwaige Unzulänglichkeiten und Fehler von einzelnen Studien ausmerzen. Genau so eine Metastudie haben die Forscher der Universität Wien gemacht. Sie haben dabei nicht weniger als 40 Studien von über 3000 beteiligten Personen ausgewertet und gefunden, dass nach dieser Metastudie am Mozart-Effekt nichts dran ist.
Der Mozart-Effekt wird damit wohl endgültig in das Reich der Mythen abgeschoben. Psychologen reihten kürzlich Mozart-Effekt an die sechste Stelle der 50 größten Mythen der populären Psychologie. An erster Stelle steht dabei übrigens die Ansicht, dass wir nur zehn Prozent unseres Gehirns tatsächlich nutzen.
Es werden aber immer mehr neue skurrile Produkte mit den unglaublichsten Wirkungen so schnell angeboten und vermarktet, dass die Wissenschaftler gar nicht mehr nachkommen zu zeigen, dass das esoterischer Unfug ist.
Mozart, Sonate KV 448, 2. Satz
Spiegel on-line: Mozart Musik macht nicht intelligenter
Welt-online: Mozart macht Mikroben im Klärwerk wieder munter
S.O. Lillienfeld et. al., 50 Great Myths of Popular Psychology, Wiley, 2009