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Die ersten Mikronauten

  • Prof. Heinz Oberhummer
  • 22.05.11, 00:00 Uhr

Am 16. Mai 2011 war es soweit. Die Raumfähre "Endeavour" startete zu ihrer 25. und letzten Reise ins All. Dabei bedienten sich erstmals Millionen einzelner Mikronauten menschlicher Technologie um in den Weltraum zu kommen. Analog zu Begriffen wie Astronauten, Kosmonauten oder Taikonauten kann man diese winzigen, extrem widerstandsfähigen Raumfahrer als Mikronauten bezeichnen.

Wohin gehen die Weltraumreisen?

Die erste 14-tägige Reise von Mikronauten mit dem Projektnamen "Shuttle LIFE" erfolgte mit dem letzten Flug der Raumfähre "Endeavour" zur Internationalen Raumstation ISS und zurück. Die Mikronauten befinden sich dabei in einzelnen kleinen Röhrchen in einem Behälter im Frachtraum der Endeveaour.

Das ist aber nur der Probelauf für ein weit aufwändigere und längere Reise von Mikronauten zum Marsmond Phobos und zurück zur Erde. Diese Reise der Mikronauten mit dem Projketnamen "Phobos LIFE" soll schon Ende 2011 an Bord der russischen Raumsonde Fobos-Grunt beginnen. Die Weltraummission wird inklusive den Aufenthalt auf Phobos zur Entnahme von Bodenproben insgesamt etwa drei Jahre dauern. Warum landet die Raumsonde auf dem kleinen Marsmond Phobos und nicht auf dem Mars selbst? Der Marsmond Phobos hat nur einen durchschnittlichen Durchmesser von etwa 20 km und seine Fluchtgeschwindigkeit ist mit 40 km/h sehr gering. Das heißt mit einer kleinen Rampe und einem Moped könnte man dort in den Weltraum entschweben. Die Energie zur Landung und zur Rückkehr von Phobos ist daher auch viel geringer als beim Planeten Mars selbst, was den notwendigen Treibstoff für die Weltraummission wesentlich veringert.

Endeveaour Start der Raumfähre Endeavour [Quelle: NASA]

Wer sind die ersten Mikronauten?

Die ersten Weltraumpassagiere unter den Mikronauten wurden unter den widerstandsfähigsten Mikroben der Erde ausgewählt. Auf die Reise zur Internationalen Raumstation ISS nehmen 6 verschiedene resistente Arten von Mikronauten teil. Zur Reise zum Marsmond Phobos und zurück wurden die 10 widerstandsfähigen Mikronautenfamilien der Erde ausgewählt. Auf beiden Weltraumissionen befinden sich zwei ganz besondere widerstandsfähige Arten von Mikroben, Bärtierchen und Bakterien mit dem Namen Deinococcus radiodurans.

Bärtierchen

Bärtierchen leben weltweit im Meer, Süßwasser oder in feuchten Lebensräumen. An Land; findet man sie besonders häufig in Mooskissen. Sie können bis zu 1,5 Millimeter groß werden und besitzen 4 Segmente und 8 Füße. Sie sind extrem resistent gegenüber Austrocknung und können Temperaturen von nur einigen Grad über dem absoluten Nullpunkt bis zu 150 Grad Celsius überleben.

Bärtierchen Die Bärtierchen erinnern an kleine Teddybären, daher der Name [Quelle: Wikimedia]

Deinococcus radiodurans

Auf dem kleinen Bauernhof von Science Buster Heinz Oberhummer im Dunkelsteinerwald lebt eines der zähesten Lebwesen im Universum. Dieses Lieblingsbakterium von ihm heißt Deinococcus radiodurans. In den Bemmerln (österr. für Köttel) seiner Alpakas leben diese Bakterien. Sie kommen auch in anderen Tieren, wie atlantischen Schellfisch oder auch an unwirtlichen Orten wie im antarktischen Gestein vor. Dieses Bakterium übersteht extrem lebensfeindlichen Bedingungen, wie höchste radioaktive Strahlung, aber auch Säurebäder, Austrocknung und Hitze. Es übersteht aber insbesondere mehr als das Tausendfache der radioaktiven Strahlung, die für Menschen tödlich wäre.

Alpakas_2 In den Bemmerln der Alpakas befindet sich das Conan, das Bakterium [Quelle: Anton Oberhummer]

Wozu das Ganze?

Die konkreten Weltraummissionen sollen die Frage beantworten, ob und inwieweit extrem widerstandsfähige Mikroben die Reise durch den Weltraum mit seiner feindlichen Umgebung überdauern und überleben können. Man darf nicht vergessen, dass im Weltraum Vakuum, eisige Kälte herrschen und eine extrem starke radioaktive Strahlenbelastung durch die so genannte kosmische Strahlung im Weltraum herrscht.

Der Flug der Mikronauten von der Erde zum Marsmond Phobos und zurück ist geeignet, eine Grundannahme für die Hypothese der Panspermie zu überprüfen. Diese Hypothese besagt, dass sich einfache Lebensformen über große Distanzen in einem Gesteinsbrocken z.B. von einem Planeten zum nächsten bewegen und sich auf diese Weise durch das Universum fortpflanzen könnten.

Fazit

Mikronauten bedienen sich nun erstmals der menschlicher Technologie um in den Weltraum und von der Erde zu anderen Himmelskörpern zu gelangen. Sie sind wesentlich geeigneter für Flüge durch den Weltraum als Menschen, weil sie wesentlich widerstandsfähiger gegenüber den dortigen lebensfeindlichen Bedingungen sind. Mikronauten fliegen jetzt schon zum Mars und zurück, also etwa 20 Jahre früher als es Menschen dorthin unter den günstigsten Bedingungen gelingen wird.

Links

Planetary Society: Shuttle Life

Planetary Society: Life Experiment Shuttle & Phobos

Alpaka-Hof Wetzlarn